Vorsorgeauftrag: Warum es wichtig ist, frühzeitig vorzusorgen

Vorsorgeauftrag für ältere Menschen

Wenn Sie unter schwerer Krankheit leiden, einen Unfall haben oder alt werden, verlieren Sie möglicherweise die Fähigkeit, rational nach eigenem Willen zu handeln und Entscheidungen zu treffen. Nur durch die rechtzeitige Erstellung eines Vorsorgeauftrags können Sie  sicherstellen, dass Ihre Interessen weiterhin in Ihrem Sinne vertreten werden.

Hier erfahren Sie, was es mit dem Vorsorgeauftrag auf sich hat und warum er so wichtig ist.

 

Was ist ein Vorsorgeauftrag?

Das Selbstbestimmungsrecht jeder Person ist ein grundlegendes Element des Erwachsenenschutzrechts in der Schweiz. Das bedeutet, dass Sie im Vorgriff auf eine mögliche künftige Geschäftsunfähigkeit selbst entscheiden können, von wem und wie in Ihrem Namen Entscheidungen getroffen werden sollen. Dies kann durch einen Vorsorgeauftrag oder durch eine Patientenverfügung geschehen.

 

Was wird mit einem Vorsorgeauftrag geregelt?

Im Vorsorgeauftrag werden Personensorge, Vermögenssorge sowie Vertretung im Rechtsverkehr vereinbart. Umfang der Befugnis und die Tragweite der Massnahmen bestimmen Sie selbst.

Das Dokument kann für einen Teil oder alle Aspekte der persönlichen Betreuung, der  Vermögensverwaltung und der Vertretung bei Rechtsgeschäften erteilt werden. Es gibt jedoch persönliche Bereiche, die laut Regelung nicht an einen Vertreter delegiert werden können, zum Beispiel die Errichtung eines Testaments.

 

Was passiert ohne Vorsorgeauftrag?

Mutter und Tochter

In diesem Fall setzt die KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) bei Bedarf eine Vormundschaft ein. Dabei handelt es sich oft um Mitarbeiter der Behörde. Alternativ kann die KESB auch eine persönlich und fachlich geeignete Person aus dem privaten Umkreis der urteilsunfähigen Person als Vormund bestimmen.

 

Wie erstelle ich einen Vorsorgeauftrag?

Sie können den Vorsorgeauftrag selbst schreiben oder mithilfe eines Notars verfassen. Beim Notar fallen Kosten an, die je nach Kanton und Aufwand unterschiedlich sind. Gültig ist ein Vorsorgeauftrag nur, wenn er handschriftlich verfasst und datiert wurde.

Darüber hinaus müssen zwei volljährige Personen Ihre Unterschrift bezeugen. Der SRF hat ein Muster für einen Vorsorgeauftrag zum Gratis-Download zur Verfügung gestellt.

 

Wen kann ich als Vertretungsperson bestimmen?

Jede natürliche Person, die für die Aufgabe geeignet ist und den Auftrag annimmt, kann als Vertretungsperson bestimmt werden. Zumeist ist dies jemand aus dem engsten Umfeld, also ein Lebenspartner, ein Familienmitglied oder ein enger Freund.

Sie können darüber hinaus auch Ersatzkandidaten bestimmen. Zudem ist es möglich, juristische Personen, wie eine Anwaltskanzlei oder ein Treuhandbüro, zu beauftragen.

 

Ist die Erstellung eines Vorsorgeauftrags für Ehepaare relevant?

Ja! Das gesetzliche Recht für Ehepaare und eingetragene Partnerschaften umfasst nämlich nur ein Vertretungsrecht für alltägliche Handlungen, etwa das Öffnen der Post oder die ordentliche Verwaltung des Einkommens. Voraussetzung für das Vertretungsrecht ist, dass beide Partner im selben Haushalt leben und die vertretende Person regelmässig und persönlich Beistand leistet.

Für weitergehende Entscheidungen, beispielsweise Heimaufenthalte oder die ausserordentliche Verwaltung von Vermögen, benötigen Sie einen Vorsorgeauftrag.

 

Wann wird der Vorsorgeauftrag wirksam?

Wenn Menschen nicht mehr in der Lage sind, rationale Beurteilungen zu treffen und sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern, spricht man von Urteilsunfähigkeit. Sobald die Erwachsenenschutzbehörde KESB davon erfährt, überprüft sie die Angaben und leitet die notwendigen Schritte ein.  Zuerst wird eruiert, ob ein gültiger Vorsorgeauftrag vorhanden ist.

Trifft dies zu, überprüft die KESB, ob die beauftragte Person geeignet ist und ob weitere Handlungen des Erwachsenenschutzes zu treffen sind. Erst wenn alle Voraussetzungen erfüllt wurden, stellt die KESB eine Urkunde aus und erklärt den Vorsorgeauftrag für wirksam.

 

Wie lange gilt der Vorsorgeauftrag?

Ein Vorsorgeauftrag ist in der Regel so lange gültig, bis er widerrufen wird oder Betroffene ihre Urteilsfähigkeit zurückerlangen.

Die Wirksamkeit des Vorsorgeauftrags kann jedoch auch enden, wenn die beauftragte Person des Vertrauens zurücktritt oder stirbt, die im Vorsorgeauftrag festgelegten Bedingungen nicht mehr erfüllt sind oder das Dokument durch einen Gerichtsentscheid für ungültig erklärt wird.

 

Kann ich einen Vorsorgeauftrag ändern?

Vor dem Eintreten der Urteilsunfähigkeit können Sie den Vorsorgeauftrag jederzeit ergänzen, ändern oder widerrufen. Dabei sind die gleichen Voraussetzungen wie bei der Erstellung einzuhalten.

 

Sie haben nun alle relevanten Fakten rund um den Vorsorgeauftrag erfahren und wissen, warum Sie keinesfalls darauf verzichten sollen. Für weitere Fragen und Informationen stehen Ihnen unsere Experten gerne mit Rat und Tat zur Seite.

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